Lange bevor das World Wide Web fremde Menschen auf Sharing-Plattformen miteinander verband, wurden Güter des täglichen Gebrauchs geteilt. Ungewöhnlich für ein wohlhabendes Land, stiftet in der Schweiz die Gemeinschaftswaschküche in Mietshäusern die Bewohner schon lange zum «Sharing» an. Der Prozentsatz der Haushalte, die auf Gemeinschaftswaschmaschinen zurückgreifen, war zeitweise in der Schweiz doppelt so hoch wie in Deutschland, obwohl in der Schweiz genügend Kaufkraft vorhanden gewesen wäre. Eine Gewohnheit, die von anderen mitteleuropäischen Ländern deutlich abweicht. In Spanien, Belgien oder den Niederlanden etwa besteht kaum Bereitschaft, in Gemeinschaftswaschmaschinen zu waschen. Dem Waschküchenschlüssel setzte Hugo Loetscher im gleichnamigen Essay ein Denkmal. Vielerorts wird auch heute noch mit der Waschmaschine ein zentrales Gebrauchsgut gemeinschaftlich verwendet – neudeutsch: geshart. Ein Ritual, das Nichtschweizer amüsant bis konsterniert beobachten. Wir wären also für das «Sharen» bestens vorbereitet, wenn es «Sinn macht», wobei Letzteres je nach Einstellung und Geldbeutel Definitionssache ist. 

Gemeinschaftshandeln wurde früher aber nicht nur aus ökonomischen und praktischen Gründen praktiziert, sondern auch aus weltanschaulichen. In den Wohngemeinschaften und Kommunen der 60-er und 70-er Jahre war Besitz als bourgeois verpönt. In der digitalen Moderne werden mittels Sharing-Plattformen nebst Wohnungen auch Gebrauchsgüter, etwa Autos, Kinderwagen oder Staubsauger, geteilt.